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(PM 11/2017) "Wir brauchen wieder ein echtes Bauministerium" - Kommentar zur Wohnungsbaupolitik von Clemens Kuhlemann

Berlin, Juni 2017 (PRG) – Auf den ersten Blick scheinen die Initiativen verschiedener Marktakteure, insbesondere des Bündnisses für bezahlbares Wohnen, gefruchtet zu haben. 2016 wurden in Deutschland knapp 280 000 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 12 Prozent oder etwa 30 000 Wohnungen mehr als im Vorjahr. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass der Anstieg der genehmigten Wohnungen mit knapp 20 Prozent deutlich höher ist als die Zunahme der Fertigstellungen. Dieser Trend lässt sich seit Jahren beobachten. Laut Statistischem Bundesamt ergibt sich daraus ein Überhang von inzwischen mehr als 600 000 genehmigten, aber nicht fertiggestellten Wohnungen. Womit wir bei einem der grundlegenden Probleme des Wohnungsbaus wären.

1. Bodenwert darf kein Objekt der Spekulation sein

 

Wer über Bauland in guten Lagen verfügt, kann nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) derzeit mit Preissteigerungen von zehn bis mehr als 15 Prozent pro Jahr rechnen. Solange sich Warten lohnt, brauchen wir uns weder über knappes Bauland noch über steigende Baupreise wundern. Was wir brauchen, ist eine von der Bebauung unabhängige Bodenwertsteuer, die einen Anreiz für schnelles Bauen setzt und langjährige Spekulation unrentabel macht. Dringend notwendig sind darüber hinaus Baugenehmigungen mit Verfallsdaten. Spätestens nach einem Jahr muss gebaut werden. Das erhöht nicht nur das Tempo, sondern auch den Druck, besser und vorausschauender zu planen.


2. Kommunen brauchen Wachstumskonzepte

 

In seiner Studie „Aktuelle Trends der Wohnungsbautätigkeit“ hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bereits im letzten Jahr gezeigt, dass Bereitschaft und Fähigkeit der Kommunen, Bevölkerungswachstum systematisch in Bestandserweiterung und Neubau umzusetzen, unzureichend sind. Bauhemmend wirken natürlich auch komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie permanent steigende Anforderungsniveaus, für die die Kommunen nicht verantwortlich sind. Entscheidend ist aber, das zeigt die BBSR-Studie: Systematisch angelegte Stadtplanung sowie aktives Flächenmanagement fehlen. Anstatt aktiv die Zukunft zu gestalten, wird aufgrund knapper personeller Verwaltungsressourcen eher der wohnungspolitische Mangel verwaltet. Die kommunalen Baubehörden brauchen dringend mehr Fachpersonal! Hinzu kommen leider, das muss man in aller Deutlichkeit so ansprechen, konservierende städtebauliche Vorstellungen in Bürgerschaft und Politik. In Berlin kann man dies derzeit wie durch ein Brennglas beobachten: In der Annahme, Mietpreise günstig halten zu können, hat der Senat viele Quartiere im Innenstadtbereich zu sozialen Erhaltungsgebie-ten erklärt und damit eine Entwicklung praktisch un-möglich gemacht. Verdichtung durch Aufstockung, Ausbau von Dachstühlen, Zusammenlegung von Wohnungen, Abriss- und Neubauprojekte um Platz für Familien mit Kindern in der Stadt zu schaffen, Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen – all das ist hier nicht mehr erwünscht. Wenn gleichzeitig riesige Flächenressourcen zur Schaffung günstigen Wohnraums - Stichwort Tempelhofer Flughafen - aufgrund zweifelhafter Volksentscheide ungenutzt bleiben, ist das an Absurdität kaum zu überbieten. Als Positivbeispiel sei hier die Stadt Freiburg genannt. Schon in den 1990er Jahren sind dort neue Stadtgebiete mit der benötigten Infrastruktur für zehntausende von Menschen entstanden, derzeit wird ein neuer Stadtteil für etwa 15 000 Menschen entwickelt. Ziel ist ein aus-gewogener Mix an Wohnformen, eine soziale und technische Infrastruktur vom Pflegeheim bis zu Stadt-bahn, und Freiflächen, auf denen sich die Bewohner gerne aufhalten. Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.


3. Neues Bewusstsein für Baukultur schaffen

 

Der Wohnungsbau benötigt auch ein neues Bewusstsein für Baukultur. Mit dem engen Fokus auf die Erfüllung von Energieeinsparverordnungen - leider nur im Neubau - oder das Prinzip „Kurzfristig-und-Billig“ muss Schluss sein! Wohngebäude werden er-richtet, damit Menschen darin leben und sich wohlfühlen, und dies über Generationen hinweg. Nachhaltig geplante und realisierte Wohngebäude berücksichtigen eben nicht nur ökologische Aspekte, sondern auch ökonomische, technische, soziale und ästhetische. Dies hat Auswirkungen auf die Wahl der Baustoffe. Aus Sicht der Deutschen Poroton muss der Weg heute sein, die Planung im Detail solide zu entwickeln und auf eine werthaltige Ausführung der Gebäudehülle zu achten. Die steht dann sehr lange und überlebt in der Regel jede Haustechnik. Optimale Planung, monolithische Bauweise dank dämmstoffverfüllter, wohngesunder Poroton-Ziegel, auf Maß gefertigte Ergänzungsprodukte sowie zeitsparende Verarbeitungskomponenten ermöglichen einen schnellen Baufortschritt, sichern Gebäudequalität und schaffen bezahlbaren Wohnraum für Generationen.


4. Wir brauchen wieder ein echtes Bauministerium

 

Zu guter Letzt: Wir brauchen künftig wieder ein Bauministerium, das diesen Namen verdient! Umweltschutz ist ein wichtiges Thema, aber es ist ein Querschnittsthema, das alle Politikfelder betrifft, nicht nur das Bauen. Ich wünsche mir, dass im künftigen Bauministerium alles dafür getan wird, dass schnell, kostengünstig und nachhaltig gebaut werden kann, und dass dort Visionen und Konzepte für das Leben und Bauen im 21. Jahrhundert vorangetrieben werden.


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Internet: www.pr-grosse.de



Bildunterschrift 1:
Ein Beitrag zur Baukultur: Die Siedlung Schwyzerstraße in Berlin wurde für sagenhafte 872 Euro pro Quadratmeter gebaut – mit einem dämmstoffverfüllten Poroton S10-MW. Die Wohnungsgenossenschaft schuf bezahlbaren und generationsübergreifenden Wohnraum, das Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez gewann den Deutschen Ziegelpreis 2017.

Foto: Deutsche Poroton / Gerhard Zwickert

Bildunterschrift 2:
Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer Deutsche Poroton

Foto: Deutsche Poroton / Fotostudio Heuser

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