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(baupressekompakt) Zweite Berliner Moderne

Berlin, September 2018 (PRG) – Die Gartenstadt Falkenberg, auch Tuschkastensiedlung genannt, gehört als eine von sechs Wohnsiedlungen der Berliner Moderne zum Unesco-Weltkulturerbe. Wie es gelingen kann, das Baudenkmal mit moderner Architektur zu verbinden, zeigen Anne Lampen Architekten zusammen mit Dagmar Gast Landschaftsarchitekten. Die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG konzipierte die Siedlung seinerzeit mit dem legendären Architekten Bruno Taut und führt mit den beiden neuen Gebäuden die Tradition fort, bezahlbares Wohnen mit qualitativ hochwertiger, identitätsstiftender Architektur zu verbinden.

Tauts Plan aus dem Jahr 1912 sah vor, dass sich Quartiere mit zweigeschossigen Zeilen aneinanderreihen, die gemäß der ansteigenden Topografie gestaffelt werden. Im Gegensatz zur damals vorherrschenden Meinung, dass nur die Materialfarben die rechtmäßigen Farben der Architektur seien, verselbständigte Taut die Farbe gegenüber dem Baustoff. Das Ergebnis ist eine Vielfalt in der farblichen Fassadengestaltung, die der Siedlung den Namen Tuschkastensiedlung einbrachte.

Spiel mit Farben, Formen, Linien

Taut spielte am Falkenberg aber nicht nur mit Farben, sondern auch mit Formen und Linien. Ein Kopfhaus beispielsweise ist nicht zentriert platziert, sondern nach rechts verschoben zur Straße. Ein Mehrfamilienhaus ist um eine ganze Häuserlänge nach hinten versetzt. Eingangshäuser stehen weder mit den angrenzenden Reihenhauszeilen noch miteinander auf einer Linie. Reihenhäuser sind leicht versetzt angeordnet. Taut erweckte damit den Eindruck einer über viele Jahre gewachsenen Siedlung. Falkenberg war darüber hinaus die erste Siedlung, bei der den Mietergärten eine so hohe Bedeutung zugemessen wurde, dass Berlins erster freischaffender Gartenarchitekt Ludwig Lesser mit der einheitlichen Bepflanzung der Parzellen beauftragt wurde. Während andere Siedlungen dieser Zeit oft eintönig wirken, besticht die Tuschkastensiedlung durch die geschickte räumliche Gliederung des Areals und eine abwechslungsreiche Gestaltung der Straßen und Plätze.

Städtebauliches Erbe bewahren und interpretieren

Es war der Genossenschaft sehr wichtig, dieses städtebauliche und architektonische Erbe zu bewahren und „den historischen Anspruch an innovative Wohnformen in Grundriss, Außenräumen und Grünräumen in die heutige Zeit aufzunehmen“, wie es in den Ausschreibungsunterlagen des nicht offenen Realisierungswettbewerbs heißt. Den Siegerentwurf von Anne Lampen Architekten BDA bewertete das Preisgericht „als einen souverän und konsequent entwickelten Beitrag, dessen System von Baumassen und Freiräumen überzeugt und in der architektonischen Gestalt insgesamt von großer Sensibilität im historischen Kontext gekennzeichnet ist.“

Konsequent wurde von Beginn an auch die Gestaltung der Frei- und Grünflächen mitgeplant – wie schon vor hundert Jahren. Das Konzept von Dagmar Gast Landschaftsarchitekten berücksichtigt die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzer an den Freiraum und setzt die städtebauliche Idee fort. Die Strukturen der Gartenstadt Falkenberg mit ihren Ligusterhecken werden weiter geführt und ergänzen dadurch den grünen Rahmen der Siedlung. Zu den mit Obstbäumen bepflanzten Mietergärten kommen Gemeinschaftsflächen und ein Kinderspielplatz hinzu.

Architekturtradition weiter entwickelt

Die beiden Neubauten am Beginn des Gartenstadtwegs markieren durch ihre rechtwinklige Anordnung den Auftakt in die Siedlung und erzeugen Hofatmosphäre. Lediglich die teilweise ziegelroten Laibungen setzen einen Kontrast zur ansonsten schwarzen Gestalt der Häuser. „Wir orientieren uns damit zwar an der Tautschen Farbtradition, setzen aber mit der schwarzen Fassaden- und Dachgestaltung beider Gebäude einen eigenen Akzent“, erläutert Susann Belitz, Projektleiterin bei Anne Lampen Architekten.

Die drei versetzt angeordneten, dreigeschossigen Kuben des Gartenhauses scheinen auf den ersten Blick klassische Reihenhäuser mit davor liegenden Gärten zu sein, die die Bestandsbebauung in moderner Form fortführen. Im Inneren jedoch stellt das Gebäude Zwei-, Drei- und Vierzimmer-Mietwohnungen zur Verfügung, wobei die beiden Vierzimmerwohnungen im Erdgeschoss die Gebäudegrenzen durchbrechen und sich über je zwei Baukörper erstrecken. Insgesamt befinden sich im Gartenhaus 13 Wohneinheiten.

Der rechtwinklig angeordnete Kubus mit Flachdach dagegen stellt einen bewusst konzipierten, baukörperlichen Bruch dar. „Das unterkellerte, dreigeschossige Gebäude erzeugt in seiner markanten Form eine Eingangssituation zur Siedlung Gartenstadtweg“, so Susann Belitz. „Gleichzeitig reduziert der Baukörper die Schallübertragung von der Durchgangsstraße Am Falkenberg in die Siedlung Gartenstadtweg.“

Soziales Engagement der Genossenschaft

Der dritte Grund für die Gebäudeform hängt mit dem sozialen Engagement der Wohnungsgenossenschaft zusammen, erklärt René Arlitt, Projektleiter bei der „1892“. Im Erd- und ersten Obergeschoss sind zwei Wohngemeinschaften zur Miete für Schlaganfallpatienten untergebracht, mit allen dafür notwendigen Einrichtungen: Jeweils acht Schlafzimmer plus ein Büroraum, zwei behindertengerechte Bäder, ein zusätzliches WC, ein Raum für Waschmaschinen und Trockner, sowie eine Gemeinschaftsküche und ein Gemeinschaftsesszimmer. Über einen behindertengerechten Fahrstuhl können vom Kellergeschoss mit Funktionsräumen bis zum zweiten Obergeschoss alle Etagen barrierefrei erreicht werden. „Es war schon immer unser Bestreben, in unseren Quartieren eine soziale Durchmischung der Bewohner zu erreichen“, sagt René Arlitt. „Hier kommt die Fürsorge für Menschen hinzu, denen ein eigenständiges Leben nicht mehr möglich ist.“ Dafür kooperiert die Genossenschaft mit einem spezialisierten Pflegedienst, der sich dauerhaft um die Patienten kümmert.

Baulicher Ausdruck dieses sozialen Engagements ist zudem der Welterberaum, der Bewohnern und Besuchern als Ort der Begegnung zur Verfügung steht, und das genossenschaftliche Miteinander in der Siedlung fördert. Das eingeschossige Sonderbauteil beherbergt einen großen Besprechungsraum mit Multimediaeinrichtung, eine Küche sowie ein behindertengerechtes WC. Das dritte Geschoss des Gebäudes steht mit jeweils einer Zwei-, Drei- und Vierzimmer-Wohnung Genossenschaftsmietern zur Verfügung. Beide Gebäude verfügen somit insgesamt über 18 Wohneinheiten.

Bauen für Generationen

Bauherr und Architektinnen bevorzugten eine robuste, langlebige Konstruktion ohne Zusatzdämmung und entschieden sich deshalb für eine monolithische Bauweise mit dem perlitverfüllten Poroton-Ziegel S10-P in der Stärke 42,5 Zentimeter. „In unseren Siedlungen in Berlin fühlen sich viele Familien bereits seit Generationen wohl“, sagt René Arlitt. Um eine solch langfristige Identifikation der Mieter zu erreichen, müsse man dementsprechend bauen. Ziegel, so Arlitt, besitzen nun einmal die bekannten Regulierungseigenschaften hinsichtlich Feuchte und puffern Temperaturunterschiede sehr gut, was im Winter die Wärme im Gebäude hält und im Sommer die Hitze draußen. „Für uns als Bauherr genauso wichtig: Die monolithische Konstruktion vermeidet unterschiedliches thermisches Verhalten in der Fassade, was bei einem mehrschichtigen Aufbau auf Dauer zu Putzrissen und Verfärbungen führen würde. Das hilft uns, Wartungs- und Instandhaltungskosten dauerhaft niedrig zu halten.“

Hohe Schallschutzanforderungen

Eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Baustoffs spielten die erhöhten Anforderungen an den Schallschutz. Quer zur Durchgangsstraße Am Falkenberg führt wenige Meter hinter den Neubauten auch noch die B96a als Hochstraße vorbei. Sie besitzt zwar Lärmschutzeinrichtungen, die Emissionen der Fahrzeuge sind dennoch deutlich hörbar. Zwar berücksichtigen bereits die Positionierung der Baukörper mit der Schaffung eines ruhigen Innenhofes, sowie die Grundrisse die Schallschutzanforderungen, indem beispielsweise die Wohn- und Schlafzimmer des Gartenhauses zum Innenhof hin orientiert sind. Ohne bauliche Ergänzung wäre ein angemessener Schallschutz aber nicht möglich gewesen. Gemeinsam mit Margitta Zielecke vom Wienerberger Projektmanagement bearbeiteten Architektinnen und Ingenieure des Ingenieurbüros Müller BBM das Schallschutzkonzept, mit dem die erhöhten Anforderungen aus der DIN 4109 erreicht werden konnten. Hier ging es insbesondere um das resultierende Schalldämm-Maß der Außenwände inklusive der gewünschten Rollladenkästen und Fenster. Zur Erreichung der Luftschalldämmung innerhalb des Gebäudes trugen nicht nur der perlitverfüllte Poroton-Hintermauerziegel bei, sondern auch spezielle, mit Beton verfüllte Poroton-Schallschutzziegel für die Wohnungstrenn- und Treppenhauswände. Hinzu kam die Poroton-Deckenrandschale für die Wand-Decken-Knoten, die die Geschossübergänge dämmt und für einen einheitlichen Putzuntergrund sorgt.

Projektleiter René Arlitt von der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 ist mit dem gebauten Ergebnis sehr zufrieden: „Die Architektur der neuen Gebäude knüpft an die unserer ‚alten‘ Tuschkastensiedlung an und interpretiert sie zeitgemäß. Gleichzeitig gelang es uns, eine Generationen übergreifende soziale Durchmischung mit dem Engagement für körperlich und geistig benachteiligte Menschen zu verbinden, was sicher nicht selbstverständlich ist.“

 

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Internet: www.pr-grosse.de



Bildunterschrift 1:
Die Neubauten von Anne Lampen Architekten markieren den Auftakt in die Berliner Welterbesiedlung „Gartenstadt Falkenberg“ des legendären Architekten Bruno Taut. Die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 führt ihre Tradition fort, identitätsstiftende Architektur für Generationen zu schaffen.

Foto: Deutsche Poroton / Lon Godin

Bildunterschrift 2:
Das Gartenhaus mit seinen drei versetzten Kuben knüpft an die Reihenhausbebauung der Gartenstadt Falkenberg an, und interpretiert sie mit skulpturalem Charakter ohne Dachüberstände zeitgemäß. Im Inneren stehen 13 Genossenschaftswohnungen mit zwei bis vier Zimmern für Singles, Paare und Familien zur Verfügung.

Foto: Deutsche Poroton / Lon Godin

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Bildunterschrift 3:
Das dreigeschossige Vorderhaus markiert den Eingang in die Tuschkastensiedlung. Es beherbergt im Erd- und ersten Obergeschoss jeweils eine Wohngemeinschaft für Schlaganfallpatienten. Das eingeschossige Sonderbauteil – der Welterberaum – dient als Veranstaltungs- und Gemeinschaftsraum.

Foto: Deutsche Poroton / Wolfgang Deil

Bildunterschrift 4:
Lediglich in den Fensterlaibungen setzt das Rot einen Akzent zum beherrschenden Schwarz. Die Farbgestaltung ist eine Reminiszenz an die Nachbarbebauung Bruno Tauts. Aus Schallschutzgründen sind die Funktionsräume des Gartenhauses auf der rückwärtigen Seite angeordnet.

Foto: Deutsche Poroton / Lon Godin

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Bildunterschrift 5:
Blick aus dem Neubau zum Unesco-Welterbe “Gartenstadt Falkenberg” von Bruno Taut. Die Neubauten nehmen die Farbgestaltung Tauts auf.

Foto: Deutsche Poroton / Lon Godin

Bildunterschrift 6:
Die Vierzimmerwohnungen im Erdgeschoss des Gartenhauses durchbrechen die Reihenhaustypologie. Split-Level-Bauweise im Erdgeschoss gleicht die Höhenunterschiede der ansteigenden Topografie aus.

Foto: Deutsche Poroton / Lon Godin

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Bildunterschrift 7:
Die Neubauten schaffen durch ihre Anordnung eine geschützte Hofatmosphäre. Wo es möglich war, sind die Wohn- und Schlafräume aufgrund der Schallemissionen der beiden Straßen hofseitig angeordnet.

Grafik: Anne Lampen Architekten BDA

Bildunterschrift 8:
Die scheinbaren Reihenhausgrenzen werden im Erdgeschoss des Gartenhauses aufgebrochen. Die beiden Vierzimmerwohnungen erstrecken sich über alle drei versetzt angeordneten Kuben.

Grafik: Anne Lampen Architekten BDA

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Bildunterschrift 9:
Die beiden Wohngemeinschaften im Erd- und ersten Obergeschoss bieten Zimmer für Schlaganfallpatienten. Sie sind behindertengerecht eingerichtet und per Aufzug barrierefrei zu erreichen. Der separat zugängliche, eingeschossige Welterberaum verfügt über behindertengerechte WCs, eine Küche und eine Multimediaeinrichtung im Versammlungsraum.

Grafik: Anne Lampen Architekten BDA

Bildunterschrift 10:
Die Gebäude sind monolithisch mit perlitverfüllten Poroton-Ziegeln errichtet. Im Verbund mit speziellen Poroton-Schallschutzziegeln sowie Poroton-Deckenrandschalen an den Wand-Decken-Knoten wird erhöhter Schallschutz gemäß DIN 4109 erreicht.

Foto: Domoplan

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Bildunterschrift 11:
Der perlitverfüllte Hintermauerziegel Poroton-S10-P ist für die hohen Anforderungen im Geschosswohnungsbau hinsichtlich Statik, Wärme-, Hitze- und Brandschutz sowie Wohngesundheit optimiert.

Foto: Deutsche Poroton

 
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